{"id":2276,"date":"2022-08-17T22:12:27","date_gmt":"2022-08-17T20:12:27","guid":{"rendered":"https:\/\/kurd-akad.com\/?page_id=2276"},"modified":"2022-08-17T22:16:17","modified_gmt":"2022-08-17T20:16:17","slug":"sommerinterview-reihe-ii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kurd-akad.com\/?page_id=2276","title":{"rendered":"Sommerinterview-Reihe II"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Kurdistan Aktuell\u00a0II<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Interview auf Instagram haben wir mit dem kurdischen Politiker Adem Uzun,&nbsp; Mitglied des Kurdistan National Congress, \u00fcber die \u00fcberregionalen und internationalen Kontexte rund um Kurdistan gesprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Mitglied im Kurdistan National Congress wirkt er nicht nur in der Region und setzt sich f\u00fcr kurdische sowie korrelierende Themen ein, sondern er ist auch auf internationaler Ebene t\u00e4tig. Adem Uzun war einer der Koordinatoren der kurdischen Delegation bei den Oslogespr\u00e4chen zwischen dem t\u00fcrkischen Staat und der Arbeiterpartei Kurdistans. Unter anderem hat er f\u00fcr die Berghof Stiftung eine Abhandlung mit dem Titel &#8222;Living Freedom: The Evolution of the Kurdish Conflict in Turkey and the Efforts to Resolve (Freiheit leben: Die Entwicklung des kurdischen Konflikts in der T\u00fcrkei und die Bem\u00fchungen um seine L\u00f6sung)&#8220; verfasst.&nbsp;<br><br>Einf\u00fchrungsfragen,&nbsp;die&nbsp;nur&nbsp;mit&nbsp;Ja\/Nein&nbsp;zu&nbsp;beantworten&nbsp;sind<br><br>&#8211; Stehen der Krieg in der Ukraine und in Kurdistan in einem Zusammenhang? Ja<br><br>&#8211; Wird Erdo\u011fan langfristig von den Vorteilen profitieren, die ihm aktuell als sog. Vermittler im Krieg Russlands gegen die Ukraine zuteil werden? Nein<br><br>&#8211; Wird es eine erneute t\u00fcrkische Invasion bzw. Okkupation in Rojava geben? Ja<br><br>&#8211; Gibt es gr\u00fcnes Licht von der NATO? Ja<br><br>&#8211; Gibt es gr\u00fcnes Licht von Russland? Ja<br><br>&#8211; Kann S\u00fcdkurdistan, kann sichdie dortige Regierung sich von der t\u00fcrkischen Abh\u00e4ngigkeit l\u00f6sen? Jein<br><br><br>Der Krieg in der Ukraine affektiert unmittelbar kurdische Themen und Anliegen sowie deren internationale Implikationen. Der Beitrittsprozess von Finnland und Schweden in die NATO ist hierf\u00fcr ein Paradebeispiel. Welche Rolle spielen KurdInnen bzw. Kurdistan dabei? Denn erstmals sind KurdInnen so offensichtlich Gegenstand der Verhandlungen.&nbsp;<br><br>Ich denke, wir k\u00f6nnen die Auswirkungen auf KurdInnen in zwei Bereiche einteilen. Wir m\u00fcssen uns die Thematik im Hinblick auf Finnland und Schweden ansehen.&nbsp;Mit der Unterschrift des Memorandums haben Finnland und Schweden ihrer eigenen Demokratie geschadet. Sie haben ihren eigenen Beschluss verraten, ihre eigenen Versprechungen nicht eingehalten und nat\u00fcrlich auch den diktatorischen Kriterien Erdo\u011fans zugestimmt. Die Kriterien, die die Diktatur Erdo\u011fans ihnen vorgesetzt hat, wurden leider von Finnland und Schweden als Kriterien der finnischen und schwedischen Gesellschaft angesehen. Ich kann zudem sagen, dass Schweden mit der Unterzeichnung dieses Memorandums zum zweiten Mal den KurdInnen geschadet hat. Wir wissen es ganz genau. Im Jahr 1986 wurde Olaf Palme erschossen. Damals haben sie sofort, ohne Beweise zu haben, die KurdInnen beschuldigt, terrorisiert und kriminalisiert. Die KurdInnen haben ungef\u00e4hr 30 Jahre unter dieser Terrorisierung und Kriminalisierung gelitten. Dabei ist jetzt herausgekommen, dass die Kurden damit gar nichts zu tun haben, dass alles eine L\u00fcge war. Schweden hat sich jedoch nicht einmal bei den KurdInnen entschuldigt. Jetzt, wo die kurdische Frage wieder ganz oben auf der internationalen Agenda steht, wo die KurdInnen als Helden gesehen werden, wo die KurdInnen ein Projekt vorschlagen, wo die KurdInnen sich einem Status gen\u00e4hert haben, sehen wir nochmals von Schweden eine Kriminalisierung gegen\u00fcber den KurdInnen. Dieses Memorandum hat den KurdInnen sehr geschadet. Auf der anderen Seite hat dieses Memorandum auch spezifisch der Bev\u00f6lkerung und der Autonomieverwaltung in Rojava geschadet. Denn nach diesem Memorandum wird es f\u00fcr einige Staaten sehr schwer sein, die Selbstverwaltung als Partner zu betrachten, sie legitim zu sehen, offiziell Kontakt aufzunehmen oder denen zu helfen. Dieses Memorandum hat auch diesen Schaden herbeigef\u00fchrt. Das Au\u00dfenministerium von Schweden hatte gesagt, die KurdInnen haben jetzt Freunde, sie haben nicht nur die Berge als Freunde, die haben uns als Freunde. Aber jetzt ist herausgekommen, dass sie die KurdInnen f\u00fcr ihre Interessen geopfert haben. Dieses Memorandum war nicht nur ein Memorandum von der T\u00fcrkei, Schweden und Finnland. Es wurde, so glaube ich, von den USA diktiert und vorgelegt. Wenn wir uns erinnern, nur einen Tag vor dem NATO Treffen in Madrid hat Biden mit Erdo\u011fan gesprochen und ihm gesagt, sei nicht bl\u00f6d, siehe das Momentum ein und unterschreibe. Was hie\u00df das? Das hie\u00df, die NATO wird eine neue Strategie festlegen und daf\u00fcr ist dies erforderlich. Wenn die T\u00fcrkei f\u00fcr diese Strategie irgendwelche Hindernisse in den Weg legt, wird sie sich selbst schaden. Er hat ihm auch die Message gegeben, wir haben es geschafft, dass Schweden und Finnland sich auf dieses Memorandum geeinigt haben, also unterschreibe es. Die NATO, insbesondere die USA und Gro\u00dfbritannien, haben damit auch ein anderes Ziel verfolgt. Sie wollten Schweden und Finnland unbedingt in der NATO haben, weil ihre Strategie darauf basiert, die euroasiatische Allianz zu vernichten. Sie wollten die NATO wieder konsolidieren, damit Europa und Asien, oder in diesem Falle Russland, nicht zusammenkommen und eine Allianz oder ein B\u00fcndnis bilden. Daher wollten sie diese Staaten auch in der NATO haben, damit sie diese Allianz zerst\u00f6ren. Im Allgemeinen kann ich sagen, das hat der Gesellschaft in Finnland und Schweden sowie der Demokratie in Finnland und Schweden geschadet, aber nat\u00fcrlich auch politisch den KurdInnen. Dagegen ist heute ein Kollektiv international bekannter Pers\u00f6nlichkeiten ins Leben gerufen worden. Sie haben gesagt, wir werden das nicht akzeptieren. Unsere Demokratie ist uns sehr wichtig. Our democracy matters. Deswegen haben sie sich gegen dieses Memorandum gestellt.<br><br><br>Die T\u00fcrkei scheint keine unmittelbare Zustimmung vom Westen f\u00fcr eine dritte Invasion bzw. Besatzungszone in Rojava erhalten zu haben. Die deutsche Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock wurde in Deutschland f\u00fcr ihre kritischen \u00c4u\u00dferungen bez\u00fcglich der Invasionspl\u00e4ne gelobt. Auf der anderen Seite intensiviert die T\u00fcrkei ihre Angriffe auf das Gebiet der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien, was stillschweigend in Kauf genommen wird. Welche Rolle spielt der Westen? Was wird passieren, wenn die dritte Invasion beginnt? Wird vom Westen \u00fcberhaupt eine Reaktion, werden gar Sanktion kommen oder rechnen wir mir der \u00fcblichen Floskel &#8222;Wir sind besorgt&#8220;. De-facto hat diese Invasion bereits begonnen.&nbsp;<br><br>Ich teile deine Meinung, dass der Krieg schon angefangen hat und die Lage mit den t\u00e4glichen Drohnen- und Artillerieangriffen \u00f6stlich der t\u00fcrkischen Besatzungszone in Rojava eskaliert ist. Die T\u00fcrkei greift gezielt die K\u00e4mpferinnen an, die SDF und die Kr\u00e4fte der inneren Sicherheit. Man kann das auch so sehen, dass die T\u00fcrkei mit diesen Angriffen gegen\u00fcber den Menschen in Rojava Rache f\u00fcr die Terrororganisation Islamischer Staat nimmt. Sie bombardiert Wohngebiete, somit die zivile Bev\u00f6lkerung. Sie m\u00f6chte diese Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen. Wir haben gestern eine Erkl\u00e4rung von der Autonomieverwaltung von Nord- und Ost-Syrien gelesen, in der gesagt wird, dass Russland und die USA f\u00fcr die Eskalation der t\u00fcrkischen Angriffe verantwortlich sind. Sie hat von ihnen eine eindeutige und klare Positionierung verlangt. Aber bis jetzt haben wir eine solche nicht gesehen. Es sieht es auch so aus, dass sie der T\u00fcrkei insgeheim gr\u00fcnes Licht gegeben haben. Diese intensivierten Angriffe in den Stadtzentren, in den D\u00f6rfern, auf Zivilisten deuten darauf hin, dass die Angriffe nicht aufgrund milit\u00e4rsicher Notwendigkeiten erfolgen, sondern als Teil einer t\u00fcrkischen Strategie zur Zerst\u00f6rung der Autonomieverwaltung in Rojava. Daf\u00fcr gibt es auch sehr viele Beweise. Allein gestern hat es sich gezeigt. Die t\u00fcrkische Sozialministerin Derya Yanik&nbsp;schlug offen vor, einige Millionen syrische Fl\u00fcchtlinge aus der T\u00fcrkei in die Gebiete Nordsyriens umzusiedeln, um die Bildung eines kurdischen Staates zu verhindern; das hei\u00dft einen kurdischen, demokratischen Status zu verhindern. Sie f\u00fcgte auch hinzu, die Leute in der T\u00fcrkei sollen ein wenig geduldig sein. Zudem \u00e4u\u00dfert sie, dass die T\u00fcrkei einen Plan des demographischen Wandels in Nord- und Ostsyrien hat, dass sie einen Plan zur ethnischen S\u00e4uberung hat; dass sie einen V\u00f6lkermord, einen Krieg f\u00fcr den V\u00f6lkermord durchf\u00fchrt. Dass einige westliche Staaten die T\u00fcrkei wegen der geplanten Invasion kritisiert haben, kann man vielleicht als positiv ansehen. Aber wenn&nbsp;wir uns das alles so ansehen,&nbsp;hat sie schon angefangen. Es reicht nicht nur einige Besorgniserkl\u00e4rungen abzugeben. Sie sollten tats\u00e4chlich diese v\u00f6lkerrechtswidrige Invasion stoppen. Sie sollten wirklich die T\u00fcrkei zur Rechenschaft ziehen. Sie sollten von der T\u00fcrkei verlangen, Syrien und den Irak zu verlassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Kommen wir zu Russland und dem Iran. Beim Dreier-Treffen scheint Erdo\u011fan nicht das gew\u00fcnschte Ergebnis erzielt zu haben. Vor wenigen Tagen hat sich Erdo\u011fan mit dem russischen Pr\u00e4sidenten Putin getroffen. Wie ist das Treffen zu bewerten?&nbsp;<br><br>Ich bin mir nicht sicher, ob er f\u00fcr seine Interessen nicht einige kurzfristige, positive Resultate erzielt hat. Ich glaube schon, dass er Einiges bekommen hat. Bei den letzten Gipfeltreffen in Teheran und Sochi, bei denen \u00fcber die Entwicklungen in Syrien und den Autonomiegebieten in Nordsyrien gesprochen wurde, wurde auf eine politische L\u00f6sung verwiesen. Diese Erkl\u00e4rungen f\u00fcr eine politische L\u00f6sung klingen zwar gut, aber der t\u00fcrkische Staat beharrt auf Krieg und m\u00f6chte dieses gr\u00fcne Licht auch von Russland bekommen. Es wurde sogar gesagt, dass die L\u00f6sung, die sie sich vorstellen und \u00fcber die in Teheran und Sochi gesprochen wurde, die Fortsetzung des Adana Abkommens von 1998 ist. Dieses diente nicht den Interessen Syriens und seiner Bev\u00f6lkerung und wird es auch in Zukunft nicht. Das Abkommen gibt der T\u00fcrkei das Recht, zusammen mit dem Assad Regime, selbst milit\u00e4risch t\u00e4tig zu sein, ihr Land zu zerst\u00f6ren, sie zu vertreiben und zu terrorisieren. Eine L\u00f6sung, die auf die Beendigung jeder Form der Besatzung Syriens abzielt und die Besatzung nicht legitimiert, kann man akzeptieren. Aber eine L\u00f6sung, die die Stabilit\u00e4t und die Grundrechte der Menschen in Syrien nicht gew\u00e4hrleistet, ist meiner Meinung nach keine L\u00f6sung, die von der Bev\u00f6lkerung in Rojava, in Nordsyrien und in ganz Syrien allgemein akzeptiert wird. Sie haben gr\u00fcnes Licht f\u00fcr Drohnenangriffe gegeben, f\u00fcr einen intensivierten Angriff. Damit sie jedoch auch die Bev\u00f6lkerung und die \u00d6ffentlichkeit manipulieren, sprechen sie \u00fcber eine politische L\u00f6sung. Aber eigentlich ist die politische L\u00f6sung das, was ich eben erw\u00e4hnt habe. Deswegen denke ich mir, dass diese Kr\u00e4fte bzw. diese M\u00e4chte auch verantwortlich sind f\u00fcr die Angriffe. Ob sie diese Angriffe abgelehnt haben, da bin ich mir nicht sicher. Das faschistische t\u00fcrkische Regime will mit seinen feindlichen Angriffen, die mit dem Blut der M\u00e4rtyrer erzielten Errungenschaften zerst\u00f6ren. Dies zielt darauf ab, den Willen der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens zu brechen. Der t\u00fcrkische Staat greift nicht nur alleine an. Er greift mit Al-Nusra, mit dem IS und anderen dunklen Kr\u00e4ften an, obwohl sie auch von internationalen Kr\u00e4ften, dem Iran, Russland, den USA, Gro\u00dfbritannien oder anderen Mitgliedern der Koalition als Feinde gesehen werden. Dabei schadet die T\u00fcrkei mit diesen Angriffen auch deren Interessen.&nbsp;<br><br><br>Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich mit dem Angriff auf das Touristengebiet in Zakho, Kurdistan Region des Irak befasst, erstmalig in dieser Form. Was bedeutet das? Wie ist die Lage in S\u00fcdkurdistan? Schlie\u00dflich zeigt die T\u00fcrkei dort eine hohe Pr\u00e4senz, sowohl wirtschaftlich als auch milit\u00e4risch, und versucht, diese stetig zu erweitern.&nbsp;<br><br>Ich pers\u00f6nlich bewerte diese Anfrage der irakischen Regierung f\u00fcr eine au\u00dferordentliche Sitzung im UN Sicherheitsrat als positiv. Zum ersten Mal agieren die irakische Bev\u00f6lkerung und irakische Beh\u00f6rden so. Sie stellen&nbsp;sich gegen die t\u00fcrkische Besatzung, beschuldigen die T\u00fcrkei und legen Beweise vor. Das ist ein positiver Schritt. Der Irak hat ganz offen gesagt, dass dieses Massaker in Zakho von der T\u00fcrkei ver\u00fcbt worden ist. Leider haben wir in den Diskussionen gesehen, dass einige Staaten die T\u00fcrkei nicht erw\u00e4hnt haben. Sie haben ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht und auf irakische Territoriumsrechte hingewiesen. Sie haben jedoch nicht gesagt, wer dieses Verbrechen begangen hat. Die T\u00fcrkei war auch sehr klug. Sie hat gesagt, ich war das nicht, aber ich schlage vor, dass wir eine gemeinsame Kommission bilden, die recherchieren soll, wer dahinter steckt. Damit wollte sie Zeit gewinnen. Wir haben leider gesehen, dass diese Diskussionen nicht weiter verfolgt worden sind. Es ist jetzt in unserer Hand, in der Hand der gesamten Welt\u00f6ffentlichkeit, der Freunde der KurdInnen, die Vereinten Nationen unter Druck zu setzen, endlich diese Gelegenheit zu nutzen, damit die T\u00fcrkei ihre milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte aus dem Irak zur\u00fcckzieht. Bis jetzt, wenn wir Diskussionen mit europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und anderen Institutionen hatten, haben sie immer gesagt, wir k\u00f6nnen gegen\u00fcber der T\u00fcrkei nichts sagen. Es muss der Irak sein, der sich gegen die T\u00fcrkei stellt. Der Irak muss die T\u00fcrkei beschuldigen und der Irak muss Anklage erheben. Das hat der Irak gemacht. Das glaube ich, sollte man immer wieder auf die Tagesordnung setzen. Man sollte sie unter Druck setzen, damit sie die T\u00fcrkei endlich unter Druck setzen, die Invasion im Irak zu stoppen. Aber die T\u00fcrkei setzt die Invasion und ihre Angriffe in S\u00fcdkurdistan fort. Sie setzt kontinuierlich und permanent chemische Waffen ein. Sie zerst\u00f6rt die Natur und greift die D\u00f6rfer an, um die Menschen aus diesen D\u00f6rfern zu vertreiben. Die Mesaage der T\u00fcrkei ist die Ausbreitung ihrer Besatzung. Leider hat sie dabei die Unterst\u00fctzung bzw. die Kollaboration seitens der Demokratischen Partei Kurdistans. Diese kritisieren wir sehr. Dass sich der Irak dagegen positioniert hat, ist auch f\u00fcr sie eine sehr gute Option. Sie sollten die irakischen Beh\u00f6rden adressieren, damit sie weiterhin gegen die T\u00fcrkei sprechen. Es gibt einen sehr gro\u00dfen Widerstand der kurdischen Guerilla gegen\u00fcber dieser Besatzung. Diese kann ihre Besatzung aufgrund des Widerstands nicht lange fortf\u00fchren, aber da wo sie sieht, dass sie nicht weiterkommt, setzt sie chemische Waffen ein und massakriert Zivilisten. Dies ist international verboten. Aber die L\u00e4nder, die es wissen &#8211; sie wissen es ganz genau -, schweigen leider, weil die T\u00fcrkei ihr B\u00fcndnispartner ist.&nbsp;&nbsp;<br><br><br>Was ist von kurdischer und gesellschaftlicher Seite in dieser heiklen und historischen Situation notwendig? Wie kann das Blatt zu einer Positivbilanz f\u00fcr kurdische, demokratische, gendergerechte Anliegen gewendet werden?&nbsp;<br><br>Man muss auch dar\u00fcber sprechen, was f\u00fcr Resultate diese Angriffe erzeugen. Wenn man sich diese kontinuierlichen Angriffe und Invasionen sowie den Einsatz von chemischen Waffen vorstellt, sowie die neo-osmanischen Tr\u00e4ume von Sultan Erdogan, dann muss man f\u00fcr die KurdInnen einige Schl\u00fcsse ziehen. Zun\u00e4chst ist das auch ein psychologisches Problem. Sie m\u00f6chten die Bev\u00f6lkerung traumatisieren. Sie m\u00f6chten verhindern, dass die kurdische Bev\u00f6lkerung sozial, medizinisch, p\u00e4dagogisch, administrativ und landwirtschaftlich ihre Dienste fortf\u00fchren kann. Diese Angriffe werden auch dazu genutzt, dass die Kurden, auch wenn es taktische sind, keine Allianzen bilden k\u00f6nnen. Sie setzen die KurdInnen mit allen Mitteln unter Druck. Sie m\u00f6chten den KurdInnen das Gef\u00fchl geben, dass ihr Land nicht sicher und stabil ist, sondern sich im Kriegszustand befindet, damit sie fl\u00fcchten, ihr Land verlassen, nach Europa kommen oder in andere L\u00e4nder gehen. So hat die T\u00fcrkei freie Hand hat, um diese entv\u00f6lkerten Gebiete mit ihren radikalen islamischen Gruppen zu besetzen. Wir m\u00fcssen das einsehen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt f\u00fcr die KurdInnen selber. Die KurdInnen m\u00fcssen das einsehen,&nbsp; und sie m\u00fcssen das strategisch betrachten. Deswegen sollten die KurdInnen nicht konjunkturell agieren, sondern strategisch denken und ihre Kr\u00e4fte b\u00fcndeln. Jetzt, wo die Welt\u00f6ffentlichkeit solidarisch mit den KurdInnen ist, Kollektive ins Leben gerufen werden, und die Welt\u00f6ffentlichkeit, die Erdogan wirklich als einen Autokraten, einen Diktator und antidemokratischen Mensch sieht, die Stimme gegen\u00fcber Erdogan erhebt, besteht die M\u00f6glichkeit, unsere Kr\u00e4fte zuzsammenzubringen und eine sehr breite und effektive \u00d6ffentlichkeit zu schaffen. Sie greifen jetzt S\u00fcdkurdistan an, sie greifen jetzt Nord-Ostsyrien an. Sie werden diese Angriffe intensivieren. Damit es nicht zu sp\u00e4t ist, m\u00fcssen wir jetzt agieren, unsere Kr\u00e4fte b\u00fcndeln und versuchen, jede \/ jeden zu erreichen, um das eigentliche Problem darzustellen, und uns f\u00fcr die Rechte der KurdInnen einsetzen.&nbsp;<br><br><br>Welche Rolle k\u00f6nnte der PKK Vorsitzende Abdullah \u00d6calan bei der Befriedung des Mittleren Ostens einnehmen bzw. welche Funktion hat er?&nbsp;<br><br>Abdullah \u00d6calan hat Projekte und L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge, strategische, politische, taktische&nbsp; historische und soziale. Er wird unter den Kundinnen auch mit diesem neuen Paradigma, das er vorgeschlagen hat &#8211; demokratische Moderne, demokratische Nation, demokratische Autonomie &#8211; und zudem von den anderen V\u00f6lkern als eine Avantgarde gesehen. Seine Stimme wird geh\u00f6rt. Man m\u00f6chte auch seine Stimme und seine Projekte h\u00f6ren. Deswegen hat er eine gro\u00dfe Wirkung auf die KurdInnen und die anderen V\u00f6lker. Er ist sehr beliebt unter den KurdInnen, in allen Teilen Kurdistans, besonders in der T\u00fcrkei, in Rojava, in Ostkurdistan, im iranischen Teil Kurdistans, und auch in Europa. Seine Projekte, die auf die L\u00f6sung fokussieren und auf Demokratie beharren, werden die L\u00f6sung sehr vereinfachen. Da die T\u00fcrkei und ihre Verb\u00fcndeten dies wissen, m\u00f6chten sie ihn nicht zur Sprache kommen lassen. Sie verh\u00e4ngen ihm gegen\u00fcber eine Isolationsstrafe. Seit zwei Jahren gibt es \u00fcberhaupt keinen Kontakt zu ihm. Sie m\u00f6chten nicht, dass er seine L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge und Projekte pr\u00e4sentiert. Ich bin mir voll und ganz sicher, Abdullah \u00d6calan ist die Garantie f\u00fcr eine demokratische L\u00f6sung im Mittleren Osten, nicht nur f\u00fcr die KurdInnen, sondern f\u00fcr alle. Er ist gegen den Krieg. Er ist f\u00fcr Frieden. Er ist f\u00fcr ein Zusammenleben. Er ist f\u00fcr Frauenrechte. Er ist f\u00fcr \u00d6kologie. Er ist f\u00fcr die fundamentalen Rechte der V\u00f6lker, der Gemeinschaften, der Glaubensgemeinschaften, aller Gruppen, der Frauen. Da diese Kr\u00e4fte, die ihn in Isolationshaft halten, keine L\u00f6sung sehen m\u00f6chten, wollen sie ihn nicht sprechen lassen. Die T\u00fcrkei, die greift an, eskaliert, begeht Verbrechen, nicht nur gegen die KurdInnen, sondern es gibt auch innert\u00fcrkische&nbsp;Probleme. Ich habe gesagt, dass die T\u00fcrkei erneut Nordsyrien angreifen wird. Warum? Weil sie die Opposition zum Schweigen bringen m\u00f6chte. Sie m\u00f6chte einen Ausnahmezustand in der T\u00fcrkei haben, damit die Menschen sich diesem entsprechend bewegen, nicht f\u00fcr die Kritik des diktatorischen Regimes. Auf der anderen Seite m\u00f6chte sie verhindern, dass die t\u00fcrkische Opposition, die sich jetzt gegen Erdogan stellt, und die kurdische Opposition, die f\u00fcr Demokratie und Freiheit k\u00e4mpft, zusammenkommen. Sie m\u00f6chte die Opposition mitschuldig machen. Auf der andere Seite m\u00f6chte die T\u00fcrkei angreifen, sie m\u00f6chte tats\u00e4chlich mit ihren radikalen sunnitischen Ideen ein Territorium kontrollieren. Erdogan m\u00f6chte ein sunnitisch-islamischer Sultan in diesem Gebiet sein. Manche sagen, mit einem Neo-Osmanischen Reich, was auch stimmt. Deswegen denke ich, wenn wir uns das mal ansehen, wird Erdogan nicht nur gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Kurden, nicht nur gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Gebiet, nicht nur gef\u00e4hrlich f\u00fcr die T\u00fcrkei selbst, sondern er wird auch gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Weltfrieden. Wenn er diktatorisch und autokratisch weiter unterst\u00fctzt wird, kann man ihn sp\u00e4ter nicht mehr kontrollieren. Er mischt sich ein im aserbaidschanischen Problem, er mischt sich ein im griechischen Problem, er mischt sich ein im lybischen Problem, im ukrainischen Problem. Er besetzt Syrien, er besetzt den Irak. Er wird eine Gefahr f\u00fcr den ganzen Weltfrieden sein. Und ich m\u00f6chte nachher nicht von einigen westlichen Staaten h\u00f6ren, dass sie sagen, wir haben einen Fehler gemacht, wir haben unseren eigenen Diktator mit unseren eigenen H\u00e4nden gef\u00fcttert und ihn gro\u00df gezogen, jetzt k\u00f6nnen wir ihn nicht stoppen. Deswegen sollte man dementsprechend auch die Bev\u00f6lkerung, die Gesellschaften in den westlichen Staaten informieren, damit sie diese Gefahr ebenfalls sehen. Deswegen denke ich mir, dass Abdullah \u00d6calan mit seinen Ideen, Vorschl\u00e4gen, Schriften, B\u00fcchern und Projekten auch ein Gegenmittel zu dem diktatorischen, antidemokratischen Regime ist.&nbsp;<br><br>Der Westen muss seine Doppelmoral beenden, damit&#8230;&nbsp;Frieden in Kurdistan, in der Region und in der ganzen Welt herrscht.&nbsp;<br><br>Die Aggressionspolitik der T\u00fcrkei ist zu stoppen, indem&#8230;&nbsp;klar artikuliert und sanktioniert wird, dass sie v\u00f6lkerrechtswidrig handelt und Kriegsverbrechen begeht.&nbsp;<br><br>Das demokratische, \u00f6kologische und auf Gendergerechtigkeit basierende Paradigma der KurdInnen erm\u00f6glicht&#8230;&nbsp;ein friedliches Zusammenleben mit allen anderen Gruppen &#8211; ethnische, konfessionelle, Frauen, Jugendliche &#8211; im Nahen Osten und in Kurdistan.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurdistan Aktuell\u00a0II Im zweiten Interview auf Instagram haben wir mit dem kurdischen Politiker Adem Uzun,&nbsp; Mitglied des Kurdistan National Congress, \u00fcber die \u00fcberregionalen und internationalen Kontexte rund um Kurdistan gesprochen.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2276"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2276\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kurd-akad.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}