Frieden feministisch neu denken – demokratische Gesellschaften stärken
06.11.2026 I 11:30 – 18:30 Uhr I Zoom
Organisation
Netzwerk kurdischer AkademikerInnen e.V. (Kurd-Akad)
In Kooperation mit
– Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main
– Jineolojî Center Europa
– Hochschule Emden/Leer
– Marie Jahoda Center for International Gender Studies der Ruhr-Universität Bochum
– Universität Innsbruck
Das Thema
Wir leben in einer Welt der Kriege, Krisen und Katastrophen. Die patriarchal-binären Ordnungen der Entrechtungen, Gewalt, Naturvernichtung, Femizide, Autoritarisierung werden zunehmend extremer in ihren Ausprägungen.
Aus dekolonial-feministischer und jineologischer Perspektive wird dem eine konsequente Orientierung auf Frieden und das freie, gute und demokratische Leben entgegengestellt. Frieden wird dabei als umfassender gesellschaftlicher Prozess verstanden, der mit Demokratisierung, Geschlechtergerechtigkeit und epistemischer wie rechtlicher Gerechtigkeit untrennbar verbunden ist. Die Erfahrungen von Frauen* mit Krieg, Vertreibung, Armut, kolonialer und patriarchaler Gewalt sind vielfältig und tiefgreifend. Ebenso vielfältig sind ihre Beiträge zur Friedensarbeit. In vielen traditionellen Friedensprozessen werden Frauen* noch immer vorwiegend als passive Opfer oder lediglich als Betroffene von Krieg und Gewalt wahrgenommen. Diese Reduzierung verhindert, dass ihre Perspektiven in der Gestaltung von Friedensprozessen ernsthaft berücksichtigt werden. Doch gerade aufgrund ihrer vielschichtigen Erfahrungen fordern Frauen* – insbesondere aus dekolonialen Kontexten – zunehmend und mit Nachdruck ihre gleichberechtigte Beteiligung an Friedensprozessen ein. Ihr Wissen, ihre Organisierung und ihre Perspektiven sind unerlässlich, um Frieden als eine soziale Praxis zu denken, die sich gegen strukturelle, kulturelle und epistemische Gewalt richtet.
Die Jineolojî als Wissenschaft der Frauen, des Lebens und der Gesellschaft bekommt derzeit eine zunehmende Bedeutung mit dem Dialogprozess in der Türkei und insbesondere dem Friedensapell von Abdullah Öcalan vom 27. Februar 2025. Der kurdischen Frauenbewegung kommt aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung eine zentrale Rolle in dem Prozess zu, denn die Veränderung der patriarchalen Durchdringung aller gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen und persönlichen Verhältnisse wird als grundlegend für einen Frieden mit Würde und Gerechtigkeit betrachtet.
Die kommende vierte Tagung in der Reihe „Gender Studies meets Jineolojî“ wird den Frieden fokussieren und feministische Kriegs- und Militarismuskritik sowie Friedenskonzepte und -praktiken von Frauen* mit den Perspektiven, Analysen und Erfahrungen der Jineolojî in Austausch bringen.
Programm
Eröffnung:
Dersim Dağdeviren, Co-Vorsitzende Kurd-Akad
Grußworte:
Dr. Beate von Miquel, Geschäftsführerin des Marie Jahoda Center for International Gender Studies der Ruhr-Universität Bochum
Dr. Johanna Leinius, Politikwissenschaftlerin, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung, Universität Frankfurt am Main
Einführung in die Thematik:
Dr. Mechthild Exo, Politikwissenschaftlerin, Hochschule Emden/Leer
Panel I: Friedenstheorie, Friedenskonzepte und Friedenspraxis
Dr. Michaela Zöhrer, Soziologin, Hochschule Rhein-Waal
Nesrin Akgül, Jineolojî Akademie, Türkei
Moderation: Dr. Mechthild Exo, Politikwissenschaftlerin, Hochschule Emden/Leer
Panel II: Transitional Justice aus feministischer Perspektive: Frieden braucht Gerechtigkeit
PD Dr. Simone Wisotzki, PRIF Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
Dr. Nisan Alici, Derby Universität, GB
Moderation: Dr. Christine Löw, Politikwissenschaftlerin, Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Panel III: Perspektiven auf Frieden als das freie, würdevolle, gute, gesellschaftliche Leben
Dr. Mawa Mohamed, Soziologin, Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Newroz Uysal Aslan, DEM Partei Abgeordnete, Türkei
Moderation: Dr. Münevver Azizoğlu-Bazan, Sozialwissenschaftlerin, Universität Bremen
Tageszusammenfassung:
Ass. Prof. Marlene Schäfers, Utrecht Universität, Niederlande
Anmeldemodalitäten:
Es wird um Anmeldung bis zum 31.10.2026 via info@kurd-akad.com gebeten.
Der Zoom-Link wird nach Ende der Anmeldefrist per Email zugeschickt.
